Giovanni Segantini

Arco 1858 – 1899 Schafberg ob Pontresina

«Giovane donna in abiti invernali» – um 1879/80
Oben rechts signiert G. Segantini [GS ligiert].
Öl a/Lwd., 46 x 36 cm


Kunstauktion 22.10.2022 | Lot-Nr. 19

Provenienz:
In Oslo durch den norwegischen Konsul in Australien an Privatsammlung, Villeneuve-Loubet (vor 1982); Privatbesitz Luzern.

Literatur:

Annie-Paule Quinsac, Segantini: Catalogo generale, Milano 1982, Bd. 2, S. 536–537, Nr. 634, Abb.


„Giovanni Segantini (1858–1899) gilt als Erneuerer der Alpenmalerei und bedeutender Symbolist des Fin de Siècle; mittlerweile wird er ebenso als massgeblicher Maler für die frühe Moderne wahrgenommen. Weniger bekannt ist Segantini als Bildnismaler. Seine diesbezügliche Bedeutung wurde im letzten Jahr erstmals mit der Ausstellung Giovanni Segantini. Porträtmaler thematisiert (Segantini Museum, St. Moritz).
Das noch vor der Übersiedlung Segantinis in die Brianza um 1879/80 in Mailand entstandene Bildnis «Giovane donna in abiti invernali» steht noch ganz in der Tradition der lombardischen Malerei sowie der Mailänder Akademie und bewegt sich zwischen naturalistischer Objektivität und sentimentaler Idealisierung. Es hebt sich jedoch deutlich ab von jenen anderen damaligen Bildnissen, bei denen Segantini den Ansprüchen der grossbürgerlichen Auftraggeber nach Repräsentation nachzukommen hatte. Das feinsinnig modellierte Gesicht der jungen Frau mit dem verinnerlichten Blick ist umrahmt vom ausstrahlenden Weiss und Hellblau eines üppig drapierten Kopftuches. Dieses schafft wie bei einer Aureole einen eigentlichen Lichtraum, der das Gesicht der Dargestellten wirkungsvoll umgibt und dieses vom Umfeld und sogar von ihrer Kleidung und dem Armschmuck abhebt.“ (Beat Stutzer)